Freitag, 29. Mai 2015

Cake Competition

Ein Gastbeitrag aus dem Wilden Westen.

Hier in den USA geht es auf die unglaublich langen Sommerferien zu. Das heisst: So langsam sind die Klassenarbeiten geschrieben, Zeugniskonferenzen haben stattgefunden, man sieht viele Schulklassen bei Ausflügen und besonderen Aktivitäten. Zu solchen besonderen Aktivitäten gehören auch Conventions in unterschiedlichen Schulfächern. Dieses Jahr fand zufällig hier in der Stadt die diesjährige State German Convention statt, zu der die Deutschklassen aller Schulen in Nebraska eingeladen waren. Die Schüler haben sich wochenlang auf die verschiedenen Wettbewerbe vorbereitet: Buchstabieren, Landeskunde, selbstgeschriebene Sketche, musikalische Programme, verschiedenes aus dem Bereich Kunst und: Ein Backwettbewerb.

Für den Backwettbewerb waren vier verschiedene, klassische Rezepte zugelassen: Bienenstich, Linzer Torte, Sacher Torte und Schwarzwälder Kirsch. Die Rezepte waren vorgegeben, so dass das Resultat in etwa vergleichbar war.
Die jungen Bäcker waren sehr fleißig. Eingereicht wurden sage und schreibe 40 Kuchen, die wir Juroren nach verschiedenen Kategorien zu bewerten hatten.
Da ging es um das Gesamterscheinungsbild, den Geschmack, die Authentizität und die wichtige Kleinigkeit: Wurde die Zutatenliste ins Deutsche übersetzt?

Früh am Morgen (hey, es war immerhin Wochenende) machte sich unsere kleine Jury noch ungefrühstückt und motiviert ans Werk. Zunächst sortierten wir die Kuchen nach Sorte. Die Favoriten der Schüler waren definitiv Schwarzwälder Kirsch und Sacher Torte. Nur 2 Bienenstiche und 2 Linzer Torten waren im Rennen.


Was den Bienenstich angeht, so haben die Schüler sich mit einem Hefeteig direkt einer gewissen Herausforderung gestellt. Nicht nur ist ja der Hefeteig relativ zeit- und temperaturempfindlich, sondern auch die Creme in der Mitte verlangt nach gewissen Voraussetzungen, um die richtige Konsistenz anzunehmen (und zu halten!). Zwar führten diese Umstände zu mehr oder weniger Erfolg beim Erscheinungsbild, geschmacklich haben mich aber beide Kuchen an Sonntage bei Oma erinnert.

Ähnlich ging es mit der Linzer Torte zu, die eine reine Augenweide ist:
Es war schon lange her, dass ich eine Linzer Torte vor mir stehen hatte. Die Mischung aus kräftigem Mürbeteig und frisch-fruchtiger Füllung hat es aber wirklich in sich. Obwohl es nur zwei Exemplare zu bewerten gab fiel mir eine Enscheidung sehr schwer. Da es noch früh am Tag war und ca 36 andere Kuchen auf uns warteten musste ich mit der Probierportion allerdings vorsichtig sein...


Für mich Schokoladenjunkie hat sich mit den zwei Tischen voller Sacher Torte ein heimlicher Traum erfüllt.




Meiner Erfahrung nach besteht die eine grosse Schwierigkeit der Sacher Torte darin, die Backtemperatur und -zeit genauestens zu erwischen, damit der Boden nicht zu trocken ist, aber dennoch eine lockere Konsistenz hat. Auch hier haben die meisten Schüler aber ein gutes Händchen bewiesen. Stattdessen gab es andere, ungeahnte Hindernisse: Der Schokoladenguss lief in ein paar Fällen dem Kuchen davon, in anderen Fällen wurde statt dunkler Schokolade Vollmilch verwendet (Abzüge in der Authentizität), oder die Schokolade wurde zu heiß aufgekocht. Manchmal ist es auch schlicht die Zutatenbeschaffung: die richtige Art des Aprikosenaufstrichs zu finden ist nicht allen Nachwuchsbäckern gelungen, so dass manche unserer Juroren beim Verkosten verschiedener Kuchen völlig ueberraschend auf ein größeres Stück gelierte Aprikose bissen. Da mich die Zutatenbeschaffung hier aber schon selbst gelegentlich vor Probleme stellte hatte ich auch hier ein weiches Herz und große Schwierigkeiten, einen Gewinner unter den vielen Teilnehmern zu nennen.


Zu guter Letzt ein in Amerika sehr beliebter, sahniger Klassiker: Die Schwarzwälder Kirsch Torte.



Auch hier waren wir wieder ganz gewaltig von der Qualität der vielen verschiedenen, wunderschänen Torten überwältigt, die unsere jungen Bäcker uns präsentiert haben. Die Schwarzwälder Kirsch Torte mit ihren vielen Zutaten ermöglicht dem Bäcker einigermassen viel Freiraum bei der Verwendung und Gestaltung, den die Schüler definitiv genutzt haben. Die knallroten Kirschen sind einfach ein Hingucker, und so manchem Juror ist beim Auspacken der guten Stücke ein ueberraschtes "Wow!" entfahren. Auch hier gab es wieder Exemplare, die auch geschmacklich einfach der Knaller waren. Hätten wir nicht vorher schon 30 Kuchen zum probieren gehabt, dann wären uns sicher einige Stücke mehr zum Opfer gefallen. Den Gewinner zu küren war beinahe unmöglich und ein Kopf an Kopf Rennen unvermeidlich.



Unsere kleine Jury war am Ende der Kuchensession doch sehr erleichtert. So viele Kuchen zu bewerten, und dann auch noch bei jedem einzelnen den Geschmack zu testen, ist wesentlich schwerer als es aussieht. Alle teilnehmenden Schüler haben eine ganz hervorragende Leistung erbracht! Immerhin habe ich mich selbst noch nicht an alle diese Rezepte heran gewagt, und das trotz einiger Jahre Backerfahrung, die die zum Teil noch sehr jungen Schüler nicht haben. Leider kann nur ein Kuchen pro Kategorie gewinnen, und leider wurde das Vergessen der Übersetzung der Zutatenliste mit einem saftigen Punkteabzug bestraft, der so manch wundervolle Torte einige Plätze nach hinten versetzte.  



Die gesamte teilnehmende Schuelerschaft hat sich schließlich noch am Backwettbewerb erfreuen koennen, denn die vielen, vielen Kuchen füllten mehr als genug Teller um für alle Teilnehmer, Lehrer und Freiwilligen den Nachtisch zu garantieren.


Herzlichen Glueckwunsch an die Gewinner und alle Teilnehmer. Super gemacht!







Sonntag, 10. Mai 2015

Goldtröpfchentorte

Es müssen ja nicht immer kitschige Herzen und aufwändige, klebrig süße Torten zum Muttertag sein. Die Goldtröpfchentorte ist im Prinzip ein relativ einfacher Käsekuchen - die Goldtropfen, die die Baisermasse oben drauf aber bildet, machen trotzdem etwas her.

Den Kuchen hat früher meine Mutter öfter gemacht, aber in den letzten Jahren ist er bei mir irgendwie in Vergessenheit geraten. Ich habe ihn allerdings gar nicht wegen Muttertag gemacht, sondern weil ich ein kleines Experiment vor hatte, bei dem ich Eischnee machen wollte. Beim letzten Kuchen hatte ich nicht genügend Eier zu Hause und habe mir von meiner Nachbarin welche geliehen. ich nutze zwar schon immer Bio-Eier, die hatte aber Demeter-Eier vom Hof in der Nähe.

Beim Schlagen des Eischnees ist mir dann aufgefallen, dass der viel fester und glänzender aussah. Da ich nicht sicher war, ob das an den besseren Eiern lag, habe ich direkt mehr davon gekauft und da ist mir auch die Goldtropfentorte wieder eingefallen.

Das Rezept habe ich von Dr. Oetker genommen und wieder etwas weniger Zucker genommen (ca. 120 gr). Beim Eischnee bin ich allerdings gar nicht so sicher, dass der nun viel besser war. Vielleicht liegt es ja am Alter? Habt Ihr solche Erfahrungen gemacht?

Wie gesagt ist der Kuchen ein recht einfacher Käsekuchen, der aus einer Teigschicht unten und einer Käsekuchenmasse besteht.



Nach dem Backen kommt dann eine Baiserschicht, also Eischnee mit Zucker oben drauf. Ich habe in verschiedenen Rezepten gelesen, dass man den Eischnee VOR dem Backen mit einer Nadel an mehreren Stellen einpieksen soll, manche sagen NACH dem Backen und wieder andere sagen, es reicht die Eischneemasse mit einem Löffel vor dem Backen hochzuziehen.

Ich habe einfach mal alles davon gemacht :)

So sah der Kuchen dann nach dem Backen aus. Von den Goldtropfen ist noch nichts zu sehen: 


Nach ca. 2 Stunden im Kühlschran hatten sich dann Tropfen gebildet :)


So sieht er dann angeschnitten aus: 


Und weil es so schön ist, hier noch eine Nahaufnahme der Tropfen: