Freitag, 27. März 2015

Mozartkugeltorte

Hallo aus dem wilden Westen!
Heute gibt es etwas für hardcore Schokoladen- und Marzipanliebhaber.

Um die Weihnachtszeit rum haben uns hier (USA) viele Care Pakete erreicht, die unglaubliche Leckereien bereit hielten. Einige davon sind sofort verdunstet, andere haben wir geschafft uns aufzuteilen und eine Sache habe ich aktiv vor taetlichen Uebergriffen beschuetzt: Mozartkugeln!

Ich hatte naemlich schon laenger ein Rezept im Blick, das ich gerne mal ausprobieren wollte. Ein paar der Zutaten standen ohnehin im Schrank, aber ein bisschen muss ich hier in den USA meistens doch improvisieren, wenn ich mit deutschen Rezepten arbeite.

Am Tag vorher habe ich fast dem Rezept entsprechend die Ganache angesetzt - also Schokolade in Sahne schmelzen lassen und einmal kurz aufgekocht. Da es hier keine Noisette Schokolade (wie im Rezept aufgelistet) aufzutreiben gab habe ich etwas Nougat aus dem Weihnachtspaket mit eingeruehrt. Das kommt dann ueber Nacht in den Kuehlschrank. Insgesamt hatte ich schon deutlich weniger Sahne verwendet als im Rezept angegeben (die Sahnebecher beinhalten hier ca 450ml statt der angegebenen 600ml), doch von der Masse hatte ich am Ende trotzdem noch reichlich uebrig... Wer fuer einen Geburstag oder eine groessere Feier backt, der koennte den Rest der Schokocreme zum Beispiel noch als Topping fuer Muffins verwenden.

Am naechsten Morgen ging es richtig an die Arbeit: Es wird ein gewoehnlicher Ruehrteig hergestellt. Vor eine kleine Herausforderung stellen mich hier immer wieder Rezepte mit gemahlenen Mandeln oder Haselnuessen, denn fertig gemahlene Nuesse konnte ich bisher nicht auftreiben. Nach einigen Experimenten verwende ich jetzt immer den Mixer zum Mahlen. Dabei muss man nur aufpassen, dass der Motor stets nur wenige Sekunden im Einsatz ist, da sonst zu viel Hitze entsteht. Dann würde nämlich den Mandeln oder Nuessen das Oel entzogen, was nicht nur zu einem unerwuenschten Ergebnis, sondern auch zu einer gewaltigen Sauerei im Mixbehaelter fuehrt.

Ist einmal der Teig glatt geruehrt (hier gab es keine Ueberraschungen - zuerst Margarine oder Butter mit Zucker schaumig ruehren, Eier dazu, dann portionsweise die trockenen Zutaten zugeben) wird die Haelfte des Teiges in eine runde Backform gegeben. Jetzt kommen die Mozartkugeln ins Spiel! Diese werden vorsichtig halbiert (ein bisschen Schwund ist immer) und dann auf den Teig gelegt. Mit dem restlichen Teig bedecken und ab in den vorgeheizten Backofen. Das Rezept spricht hier von 25-30 Minuten im vorgeheizten Ofen. Bekanntlich sind diese Angaben immer vom Ofen abhaengig, doch die Groesse der Backform spielt auch eine Rolle. Meine Form war relativ klein im Durchmesser, der Teig dafuer relativ dick und hat locker 1 Stunde im Ofen gesessen, bis die Staebchenprobe gruenes Licht ergab.

Nun ist wieder Zeit fuer eine Pause - in unserem Fall fuer einen Besuch im nahe gelegenen Fontenelle Forest.




Waehrend wir spazieren waren hatte der Kuchen Zeit zum abkuehlen, so dass ich zuhause nur das Fondant vom Vortag aus dem Kuehlschrank nehmen und einmal mit dem Handruehgeraet schoen schaumig ruehren musste. Es entstand eine sehr schokoladige Creme, mit der der Kuchen ganz einfach von allen Seiten kraeftig eingekleistert werden kann.

Die vorletzte Herausfoderung: Marzipandecke.
Marzipan laesst sich hier zwar mit etwas Suchen auftreiben, aber ist sehr teuer, falls ueberhaupt vorhanden. Was es aber immer gibt ist Almond Paste - Mandelpaste.
Diese Mandelpaste kommt dem Marzipan schon sehr nah, enthaelt aber halt fast nur Mandeln und sehr wenig Zucker. Um es etwas weniger nussig und mehr marzipanig schmecken zu lassen werden einige Essloeffel Puderzucker eingeknetet. Um das ganze geschmeidiger zu machen habe ich etwa einen Essloeffel Ahornsirup eingearbeitet. Und schon kann die Marzipandecke ausgerollt werden!


Das ist gar nicht so schwer, wenn man die Arbeitsplatte ein wenig mit Puderzucker bestaeubt und auch den Marzipanbrocken von aussen einpudert. Zum Transport von der Arbeitsplatte auf die Torte habe ich die Marzipanschicht locker ueber das Nudelholz gerollt und es dann direkt ueber der Torte wieder entrollt. Wer ein wenig Erfahrung mit Fondant hat sollte bei diesem Schritt keine Schwierigkeiten haben.

Und siehe da! Fast alle Arbeitsschritte sind erledigt. Dennoch hielt diese Torte eine Ueberraschung fuer mich bereit: Zum Schluss wird das Prachtstueck mit Kuvertuere ueberzogen und mit halbierten Mozartkugeln garniert. Ich habe ewig nicht mit Kuvertuere gearbeitet, aber hielt diesen Schritt nicht fuer besonders schwierig, wenn man erst einmal daran gedacht hat, auch Kuvertuere auf die Einkaufsliste zu schreiben. Ich arbeite nur ganz selten mit dieser Art Glasur und habe sie in den USA ueberhaupt noch nicht verwendet, daher dachte ich, dass Chocolate Candy Coating das gleiche Produkt sei.
Ist sie auch ungefaehr: Gleiche Vorsicht ist geboten beim Erhitzen der Masse. Zu viel Hitze karamelsiert den enthaltenen Zucker und bindet die Masse mehr oder weniger zu einem festen Klotz. Ich spreche aus Erfahrung. Empfohlen wird daher, die Kuvertuere im Wasserbad zu schmelzen.
Wenn einmal eine schoen glaenzende Schoki-Fluessigkeit entstanden ist kann diese ganz einfach auf dem Kuchen (in meinem Fall auf der Marzipanoberflaeche) verteilt und mit einem Loeffel oder Teigschaber gleichmaessig verstrichen werden.

Der Teil mit "gleichmaessig" blieb bei mir leider pure Theorie, denn wo die Schokoladenkuvertuere, die ich aus Deuschland kenne, immer ein Weilchen bis zum Aushaerten braucht verwandelte sich das Chocolate Candy Coating schon innerhalb von Sekunden in Schokoladenasphalt. Ich habe es gerade noch hinbekommen, die Torte mehr oder weniger zu bestreichen.

Zum Glueck hatte ich die Mozartkugeln schon vorbereitet neben mir liegen (beim Halbieren wirklich vorsichtig arbeiten, da sonst die Schokolade abplatzt). Um sie noch anzukleben musste ich dann aber den Rest vom Candy Coating nochmal ganz vorsichtig erhitzen und als Klebstoff verwenden.

Unsere Marzipan- und Schokoladensucht ist jetzt definitiv fuer eine Weile befriedigt! Lecker!










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