Freitag, 19. September 2014

Jim-Beam-Hochzeitstorte - Ein Fondant-Experiment in mehreren Schritten

Hallo in die Weiten des Webs, es folgt ein Gastbeitrag!

Nachdem Anita uns hier bei Cake Friday schon lange die grenzenlosen Möglichkeiten des Backens vormacht, habe ich - relativ ungeübt in modischen Kuchendekorationen und nur mit bodenständigen Klassikern wie Marmorkuchen und Käsekuchen vertraut - mich zu einem Großprojekt hinreißen lassen: Eine Hochzeitstorte.

Der einzige Wunsch des Brautpaares lautete: Eine Jim Beam Flasche wäre cool.

Da ich bei einer Hochzeitstorte im Großformat (die fertige Torte war ca 30 x 80 cm groß) nicht auf gut Glück arbeiten wollte gingen ihr einige kleine Probetorten voraus, die mir auch halfen mich auf eine Geschmacksrichtung festzulegen. Es wurde schließlich eine Aprikosen-Marzipan-Schichttorte, ein Klassiker unter den Hochzeitstorten.

Das größte Abenteuer an der ganzen Sache war für mich aber der Fondant, denn ich habe vorher noch nie mit dieser flexiblen Zuckermasse gearbeitet und wollte aufgrund der Größe der Torte ungern kiloweise fertigen Fondant kaufen ($$$ !). Also konsultierte ich Youtube und startete eine Versuchsreihe.
Die Grundrezeptur jeweils: Marshmallows in der Mikrowelle schmelzen lassen ohne ein Feuer zu entfachen, mit viel (viel!) Puderzucker zu einer knetfähigen Masse verarbeiten, einen halben Block fertig gekauften Fondant aufwärmen und unterkneten. Letzteres hat den Grund, dass viele Rezepte als weitere Zutat nach Gelatine verlangen um die Masse widerstandsfähiger zu machen (beim Ausrollen kann es sonst leicht reißen). Der fertige Fondant beinhaltet bereits Gelatine, was das ganze vereinfacht. Um dem Marzipangeschmack entgegen zu kommen gab ich außerdem ein paar Tropfen Mandelaroma hinzu.*

Außerdem habe ich in meinem kleinen Youtube-Fondant-Lehrgang gelernt, dass sich als Unterlage für den Fondant, sozusagen als "Klebstoff" für den Fondantmantel, eine Ganache gut eignet. Die Amerikaner verwenden an dieser Stelle auch gerne eine Buttercreme, die ich persönlich aber einfach nicht so gerne mag. Vor allem bei feuchten Füllungen wie der Aprikosen-Marzipan-Creme in meiner Schichttorte, erfüllt die Ganache-"Zwischendecke" außerdem noch einen weiteren Zweck: sie isoliert den Fondant-Mantel von der Fruchtmasse, die bei direktem Kontakt den Zucker im Fondant aufweichen würde. Der Fondant würde dann einfach dahin schmelzen.

Der erste Versuch galt noch hauptsächlich dem Fondant und der Lebensmittelfarbe (zu diesem Zeitpunkt probierte ich noch an einem eckigen Schokoladenkuchen herum):


Im zweiten Versuch wollte ich eine runde Form versuchen (die es gleichmäßig mit dem Fondant zu bedecken galt) und die Aprikosen-Marzipan-Schichttorte ausprobieren:


Nachdem bis hier alles ganz gut geklappt hatte fühlte ich mich einigermaßen gewappnet. Für die Whiskey-Farbe (Jim Beam Motiv!) wurde in den Fondant braune Lebensmittelfarbe eingearbeitet. Für den "Glas-Flaschen-Effekt" wurde die fertige Torte mit einem glitzernden Lebensmittelfarbenpulver eingepudert, die ich genau wie die braune Lebensmittelfarbe aus Amerika importiert hatte.
Das Jim Beam Etikett habe ich mit Gimp (mein liebster Photoshop-Ersatz und eine freie Software) ein wenig personalisiert und beim Backformenverleih auf Zuckerpapier in A3 drucken lassen. (Meine Recherche hierzu hatte ergeben, dass ein großer Zuckerbild-Online-Anbieter gerade Betriebsferien hatte und die meisten Konditoren nur bis A4 drucken können.)
Solche Zuckerbilder lassen sich ganz einfach mit der Haushaltsschere zuschneiden, sind aber sehr empfindlich und mögen keine Feuchtigkeit. Sie werden daher einfach kurz vor dem Servieren auf die Torte aufgelegt. Daher haben wir uns während der Hochzeitsfeier, die in einem kleinen Restaurant stattfand, für ein paar Minuten in den Kühlraum verzogen um das Glitzerpuder und das Etikett aufzutragen.

Im Eifer des folgenden Kuchen-Gefechts gelang es mir leider nicht, ein schöneres Foto zu ergattern. Aber:


Nach diesem Mammutprojekt (an dieser Stelle nochmals vielen, vielen Dank an die freundlichen Helfer! Bei den vielen Schichten, die es zu backen galt, waren zusätzliche Hände und Arbeitsgeräte sehr begehrt und beim Ausrollen der riesigen Fondantplatten zusätzliche Muskelkraft sehr willkommen) habe ich ein paar Wochen Pause vom Backen gebraucht.

So langsam höre ich aber wieder den klappernden Ruf meiner Backformen und Fondantausroller...


*Zugegeben: Beim ersten Versuch war nicht nur die gesamte Küche mit einer mehr oder weniger gleichmäßigen Schicht Puderzucker bepudert... Ich hatte auch kurzzeitig meine Finger in einen zähen, angenehm warmen Zuckerklumpen einbetoniert. 
Beim zweiten Versuch wurden entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen (Gummihandschuhe beim Kneten und eine wesentlich größere Schüssel).

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